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Eine alte Tradition

Lebkuchen am Weihnachtsbaum

Stefanie Pfister

Die Lebkuchen von Familie Seidelmannerzählen Mythen und Märchen. In der vierten Generation tradiert, hängen die Leckereien nach einem genauen Plan am Weihnachtsbaum.

Größe:

Verhältnis: 1:2

  1. Zutaten

    TEIG

    • 600 g Mehl
    • 380 g Zucker
    • 110 g Honig
    • 3 Eier
    • 1½ Pk. Lebkuchengewürz
    • 1–2 Msp. Hirschhornsalz

    Außerdem: Mehl, verquirltes Ei zum Bestreichen

     

    GUSS

    • 3 Eiweiß
    • 360 g Puderzucker
    • Lebensmittelfarbe 
    • (gelb, grün, rot)
    • 60 g Kuvertüre
    • 30 g Butter

Weitere Informationen

Eine Frau am Spinnrad, ein Reiter, ein Schwanenkleid oder Tiere und Fabelwesen wie Eichhörnchen und Drache sind auf den Lebkuchen zu sehen. Auf einem reitet ein Kind auf einem Vogel, auf einem anderen springt ein Wolf über die Sonne – Roswitha Seidelmanns Lebkuchen erzählen alte Geschichten. Es sind Märchen und Mythen, für die sich bereits ihre Eltern interessiert haben.

Die Geschichte der Formen

„Schon als junge Frau war meine Mutter naturverbunden, interessierte sich für Märchen und die Mythologie“, erzählt Roswitha Seidelmann. Die besondere Lebkuchentradition der Familie nahm 1920 auf einer Reise nach Skandinavien ihren Anfang. Dort besuchten die Mutter und ihre beiden Schwestern ein Trachtenfest, nahmen an Tanzkursen teil und gingen in Museen. Die alten Schmuckstücke, Schnitzereien auf historischen Schiffen oder Handschriften, die sie hier sahen, dienten ihnen als Vorlagen für die Lebkuchen. Andere Formen haben sie aus der heimatlichen Volkskunst, von Hinterglasbildern oder Trachtenstickereien entlehnt: Die Motive zeichneten sie frei nach und vereinfachten sie mitunter, damit sie sich als Backformen eigneten. 

Märchenmotive

Über die Jahre wuchs die Motivsammlung der Schwestern. Als sie ihre eigenen Familien gründeten, pflegten sie ihre Lebkuchentradition weiter. „In der Weihnachtszeit gab es eigentlich immer zu wenig Lebkuchen für unsere große Familie“, erinnert sich die Österreicherin. Kurzerhand entwickelte ihre Mutter weitere neue Formen und bediente sich bei den Märchen, die sie besonders gut kannte und den Kindern gerne erzählte. Sie zeichnete die Motive in der runden Lebkuchenform. So sind die bekannten Märchen der Gebrüder Grimm wie Schneewittchen, Frau Holle oder der Froschkönig in die Sammlung gekommen. Aber auch das Märchengut anderer Länder hat sie aufgenommen. Wie das Haus der Baba Jaga, einer Hexe in russischen Märchen. „Als meine Mutter und die Jüngste der Schwestern in den Kriegswirren mit uns Kindern aus Wien auf einen Bauernhof in Tirol geflüchtet sind, blieben auch die Papierformen zurück“, erzählt Roswitha Seidelmann. 

Ordnung am Baum

Am Weihnachtsbaum hängen die Lebkuchen nach einem besonderen Plan. Roswitha Seidelmann orientiert sich wie ihre Vorfahren an der Vorstellung des Weltenbaums, die bis in die indogermanische Zeit zurückgeht. Dieser Baum wurzelt in einer Quelle, deshalb hängen unten im Weihnachtsbaum Schiffe, Fische oder Fabeltiere. In der Mitte zwischen den Zweigen tummeln sich Menschen, Blumen und weitere Tiere. Der Wipfel des Weltenbaums reicht in den Himmel. Oben hängen daher Lebkuchen, die lichte Figuren darstellen wie Engel und Vögel, die Boten zwischen Himmel und Erde. Während des Schmückens taucht Roswitha Seidelmann in jahrhundertealte Geschichten ein. Außer den Lebkuchen hängt sie goldene Nüsse, Bienenwachskerzen, rote Äpfel, Strohsterne und weiße Fröbelsterne auf. Am Festtag zündet Erich Seidelmann seit jeher die Kerzen an. Frisch und herb duftet der Tannenbaum, honigsüß die Lebkuchen. Am 6. Januar räumt die Familie den Baum ab. Die Lebkuchen wandern nun ins Kühle, wo sie allmählich weich werden. Dann dürfen die Kinder, Enkel und Urenkel endlich naschen.

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